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Geschafft: Pflege ist Schwerarbeit

Die Unterschriften-Übergabe der mein #aufstehn Petition "Pflege ist Schwerarbeit" im Gesundheitsministerium.
#aufstehn / Moritz Gruber

Seit fast genau drei Jahren setzt sich die diplomierte Krankenpflegerin Carolin Astner mit ihrer Petition auf mein.aufstehn.at dafür ein, dass Pflegearbeit als Schwerarbeit anerkannt wird. Und ihr Engagement hat sich gelohnt: Nach unserem Termin im Ministerium hat Sozialministerin Korinna Schumann verkündet, dass die Forderung umgesetzt wird. Ein historischer Erfolg für Carolin, für Pflegekräfte in Österreich – und für die Zivilgesellschaft. Hier könnt ihr nachlesen, wie wir das geschafft haben.

Veränderung beginnt mit einer Person

“Die Arbeit ist sehr schön, aber leider auch sehr anstrengend. Ich kann mir bei Gott nicht vorstellen, dass ich bis zu meinem 65. Lebensjahr arbeiten muss. Die körperliche und psychische Belastung wird nicht weniger”, so Carolin Astner aus Tirol. Als diplomierte Krankenpflegerin weiß sie ganz genau, was es heißt, täglich über die eigenen Grenzen zu gehen. Nach einem langen und harten Arbeitstag reichte es ihr. Sie startete eine Petition auf unserer Petitionsplattform mein.aufstehn.at und forderte darin den damaligen Gesundheitsminister Rauch auf, Pflege als Schwerarbeit anzuerkennen, damit Pflegekräfte mit 60 in Pension gehen dürfen.

Innerhalb weniger Wochen haben sich mehr als 85.000 Menschen ihrer Forderung angeschlossen – ein Großteil davon ist selbst in der Pflege tätig. Hunderte Mails, Nachrichten und Erfahrungsberichte erreichten uns. Menschen, die sich jahrelang durch Nachtdienste, Doppelschichten und Personalmangel gekämpft haben, meldeten sich zu Wort. Es war klar: Diese Petition trifft einen Nerv.

Ich würde gerne sehen wie ein Politiker mit über 60 noch die Leistung erbringt, die sie von uns erwarten – wenn man jahrelang seinen Körper überstrapaziert hat, seine Gesundheit riskiert hat und dann gesagt bekommt, dass "Pflege" keine Schwerarbeit ist.

In Pflegemontur vorm Ministerium

Im August 2022 übergaben wir gemeinsam mit Carolin die ersten 86.627 Unterschriften an Gesundheitsminister Johannes Rauch. In Pflegemontur standen dutzende Unterstützer_innen mit selbstgebastelten Schildern und Trillerpfeifen vor dem Ministerium. Die Botschaft: Pflege ist Schwerarbeit – wir lassen nicht locker. Doch konkrete Zusagen seitens des Ministers blieben aus. Also haben wir weitergemacht.

Mehr zur Aktion und Übergabe an Gesundheitsminister Johannes Rauch gibt’s hier zum Nachlesen.

Umfrage bestätigt: Pflegekräfte sind am Limit

Am 12. Mai 2023, dem Internationalen Tag der Pflege, veröffentlichte #aufstehn die Ergebnisse einer großangelegten Umfrage mit über 13.000 Pflegekräften – mit erschütternden Ergebnissen: Über 98 % der Befragten stufen ihre körperliche Belastung als hoch oder ziemlich hoch ein. Fast alle (99,54 %) fordern, was Carolin mit ihrer Petition ins Rollen gebracht hat: Pflege muss als Schwerarbeit anerkannt werden.
Die Ergebnisse bestätigen, was Pflegekräfte seit Jahren sagen: Die tägliche Verantwortung, die psychischen Belastungen durch ständige Konfrontation mit Krankheit, Schmerz und Tod, der ständige Personalmangel und die körperliche Arbeit im Schichtdienst – all das geht an die Substanz.

Die vollständigen Umfrageergebnisse mit vielen persönlichen Zitaten gibt’s hier zum Nachlesen.

Historischer Erfolg

Im April 2025, knapp drei Jahre nach dem Start der Petition, konnte Carolin in einem persönlichen Treffen mit Sozialministerin Korinna Schumann die Forderung im Namen von fast 200.000 Unterschriften übergeben. Der Druck war nicht mehr zu übersehen – und der Einsatz hat sich gelohnt: Pflegearbeit wird offiziell als Schwerarbeit anerkannt!

Das heißt: Pflegekräfte können künftig mit 60 Jahren in Pension gehen – statt mit 65. Ein riesiger Fortschritt und ein wichtiger erster Schritt. Aber das ist noch nicht das Ende unseres Engagements.  Denn die Hürde von 45 durchgehenden Versicherungsjahren in Vollzeit bleibt bestehen [1]. Gerade in der Pflege, wo viele Teilzeit arbeiten (müssen), ist das eine reale Herausforderung. Außerdem wird jüngeren Pflegekräften derzeit die Ausbildung nicht angerechnet – und das obwohl sie neben der Ausbildung 50% arbeiten. 

Für Carolin ist klar: “45 Jahre bei Vollzeit im Pflegeberuf zu arbeiten ist hart. Wir werden dran bleiben und dafür kämpfen, dass auch Pflegekräfte in Teilzeit die Schwerarbeit bekommen.

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Ein starkes Zeichen – dank euch!

Was als erschöpfter Gedanke nach einem Nachtdienst begann, wurde zu einer der größten Petitionen in der jüngeren Geschichte Österreichs. Dieser Erfolg ist ein starkes Zeichen dafür, was möglich ist, wenn viele Menschen gemeinsam laut werden. 

Danke an jede einzelne Person, die unterschrieben, geteilt, erzählt und unterstützt hat. Wir feiern diesen Etappensieg – und bleiben dran, bis auch die letzten Hürden für eine gerechte Pflegearbeit genommen sind. Noch nicht unterschrieben? Du kannst Carolins Forderung weiterhin unterstützen – wir machen weiter!

Jetzt Petition „Pflege ist Schwerstarbeit“ unterzeichnen!

Du hast wie Carolin ein Thema, das dir unter den Nägeln brennt? Dann starte deine eigene Petition – das geht ganz einfach, wir unterstützen dich dabei!

Jetzt Petition auf mein.aufstehn.at starten!

Quellen: [1] ORF, 22.04.2025: Schwerarbeit: Pflegekräfte dürfen früher in Pension gehen

Autor_innen

Flora ist Senior Campaignerin bei #aufstehn. Sie plant und setzt Kampagnen um. Außerdem leitet sie das Team der Petitionsplattform "mein #aufstehn". Sie engagiert sich seit Jahren in feministischem Aktivismus. Zudem hat sie Internationale Betriebswirtschaft und Gender Studies studiert. Alle Beiträge

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