Umfrage zu Hebammen in Österreich: “Unser Berufsstand wurde belogen!”
In Österreich wurden in den letzten Jahren mehr Hebammen ausgebildet – die nun aber doch niemand brauchen will. Warum das so ist und wie es hierzulande um die Berufsgruppe der Hebammen steht, erfährst du in diesem Beitrag.
Warum gibt es in Österreich aktuell so viele Hebammen?
Noch im Jahr 2021 gab es in Österreich einen akuten Hebammen-Mangel. Damals mussten Hebammen teilweise sechs Geburten gleichzeitig betreuen [1]. Zusätzlich kündigte die Politik jahrelang ein zweites und verpflichtendes Hebammengespräch im elektronischen Eltern-Kind-Pass an – was den Mangel an Hebammen weiter verschärft hätte. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken wurden in den letzten Jahren Ausbildungsplätze geschaffen und österreichweit mehr Hebammen ausgebildet.
Ein wichtiger Schritt für die Gesundheit von Schwangeren und Kindern, denn die Begleitung durch Hebammen …
- reduziert Komplikationen während und nach der Geburt [2].
- verringert die Kosten für das Gesundheitssystem [2].
- fördert die Eltern-Kind-Bindung [3].
- stärkt die psychische Gesundheit von Schwangeren [3] .
Das sind nur vier von zahlreichen wissenschaftlich bewiesenen Beispielen.
Das Problem an der Sache? Die Politik will das zweite und verpflichtende Eltern-Kind-Pass-Gespräch aus Budgetgründen nun streichen. Das hätte schwerwiegende Folgen für Schwangere, Kinder und Familien. Außerdem fallen wichtige Stellen für Hebammen weg. Stellen, die von der Politik eigentlich zugesichert wurden.
Was das genau für die Hebammen in Österreich bedeutet, zeigt eine Umfrage von #aufstehn und Hebammen-Vertreter_innen.
Das Umfragedesign
- Methode: Quantitative Online-Umfrage mit qualitativen Elementen
- Erhebungszeitraum: 15. April 2026 bis 28. April 2026
- Anzahl Teilnehmende: 3.509
- 384 Hebammen (rund 13% aller Hebammen in Österreich) / 174 ehemalige Hebammen oder in Ausbildung
- 2.197 (werdende) Eltern
- 243 Personen aus dem medizinischen Bereich
- 511 Personen ohne spezifischem Hebammen-Bezug
- Einschränkungen: Nicht-repräsentative Stichprobe, erlaubt keine Verallgemeinerung
Weniger Beratungsanfragen, mehr existenzielle Ängste
Fast jede zweite befragte Hebamme (47%) erhält weniger Betreuungsanfragen als früher.

Mehr als die Hälfte (53%) der Hebammen, die weniger ausgelastet sind, hat deshalb aktuell finanzielle Sorgen. Ebenfalls mehr als die Hälfte (51%) dieser Gruppe sorgt sich um die berufliche Existenz.
“Man fühlt sich als (zukünftige) Hebamme von der Politik im Stich gelassen”
Mehr als drei Viertel der befragten Hebammen in Ausbildung wurde zu Beginn des Studiums ein gesicherter bzw. Chancen auf einen Arbeitsplatz in Aussicht gestellt.

9 von 10 Hebammen in Ausbildung beurteilen ihre Chancen am Arbeitsmarkt nun jedoch als schwierig bzw. sehen keine Möglichkeit, als Hebamme tätig zu sein. Nur 0,7% der Befragten (!) erwarten einen gesicherten Arbeitsplatz.
Du möchtest mehr zu den Ergebnissen der Umfrage lesen?
Engagierte Hebamme startet Petition
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen deutlich: Die Hebammen in Österreich werden von der Politik im Stich gelassen. Das eigentlich zugesicherte verpflichtende Hebammengespräch muss umgesetzt werden – für Schwangere und Familien, für Hebammen sowie für das Gesundheitssystem. Das fordert Hebamme Katharina auf mein.aufstehn.at gemeinsam mit knapp 80.000 Unterstützer_innen. Unterzeichne jetzt auch du die Petition:
Quellen:
[1] Moment.at, 29.11.2021: Eine Hebamme für sechs Geburten? “Wir müssen auf die Straße gehen”
[2] Sandall, Jane et al., 2024: Midwife continuity of care models versus other mothels of care for childbearing women. In: The Cochrane database of systematic reviews.
[3] Talbot, Hannah et al., 2024: Midwives experiences of discussing health behaviour change within routine maternity care: A qualitative systematic review and meta-synthesis. In Women and birth journal of the Australian College of Midwives.